Stopp. Wendepunkt. Neustart.
Patricks Geschichte. Früher stand er auf dem Dach. Heute steht er vor Lernenden
Manchmal stellt das Leben alles auf den Kopf - von einem Moment auf den anderen. Ein Beruf, der nicht nur Arbeit, sondern Leidenschaft und Identität war, wird plötzlich unmöglich. Genau das hat Patrick Mäder, ehemaliger Lernender der Stiftung WQ, erlebt. Als Zimmermann arbeitete er mit seinen Händen, schuf etwas Bleibendes - bis ihn gesundheitliche Probleme dazu zwangen, diesen Weg aufzugeben.
Ein harter Einschnitt - und zugleich der Anfang von etwas Neuem. Heute steht er als Berufsbildner da und gibt seine Erfahrungen weiter. Wie er diesen Weg gemeistert hat und was ihn dabei getragen hat, erzählt er in diesem Interview.
Was hat dich damals dazu bewegt, Zimmermann zu werden?
In der Schule waren Werken mit Holz und Sport meine Lieblingsfächer. Um Sportlehrer zu werden, waren meine Noten allerdings nicht gut genug. Deshalb suchte ich mir einen handwerklichen Beruf an der frischen Luft. In verschiedenen Schnupperwochen hat sich schnell gezeigt, dass ich das Bauen dem Schreinern vorziehe. Wichtiger Fakt: auch Zimmermänner müssen genau arbeiten.
Was hast du an diesem Beruft besonders geliebt?
Ich arbeite gerne mit Holz, draussen und mit meinen Händen - unabhängig vom Wetter. Besonders schätze ich, am Ende des Tages sichtbare Ergebnisse zu haben. Die Teamarbeit motiviert mich zusätzlich, vor allem das gemeinsame Ziel und die Zufriedenheit der Kundschaft am fertigen Projekt.
Wie bist du mit der Entscheidung umgegangen, deinen ursprünglichen Beruf nicht mehr ausüben zu können?
Nie im Leben konnte ich mir vorstellen, meinen Beruf aufzugeben. Zunehmende Schmerzen zwangen mich zum Umdenken. Weder die Arbeit in der Halle noch im Büro entsprachen mir. Am liebsten hätte ich weitergemacht wie bisher. Durch den Anstoss meines Chefs ins Büro zu wechseln, entschied ich mich schliesslich für diesen Schritt. So bleibe ich meinem Beruf verbunden und kann die gesammelten Erfahrungen weiterhin nutzen.
Was waren in dieser Zeit die grössten Herausforderungen - beruflich und persönlich?
Ich hatte viele Zweifel. Kann ich das? Werde ich allem gerecht - vor allem mir selbst? Bin ich wirklich für die Aufgaben gemacht, die mich erwarten werden? Ich musste vieles neu lernen, und das in meinem Alter. Trotzdem wusste ich, dass ich etwas verändern will und auch muss. Ich möchte für meine Familie da sein und ihnen etwas bieten können. Deshalb habe ich den Schritt gewagt.
Gab es einen Moment, der sich wie ein richtiger Tiefpunkt angefühlt hat - und wie hast du da wieder rausgefunden. Was hat dir Kraft gegeben?
Nein, einen solchen Tiefpunkt gab es nicht - eher viele Zweifel. Meine Familie und meine Freunde gaben mir Kraft. Sie zeigten mir die Vorteile auf und machten mir bewusst, dass es eine gute Entscheidung für mich ist.
Wie bist du auf die Möglichkeit der Umschulung zum Sachbearbeiter Planung gekommen?
Da mir in der Firma ein Angebot gemacht wurde, ins Büro zu wechseln, war für mich schnell klar, dass ich mich weiterbilden/umschulen will und auch muss. Dadurch habe ich die Möglichkeit, mich schneller und besser in die Abläufe im Büro einzuarbeiten und zu verstehen, wie alles funktioniert.
Was hat dir in der Umschulungsphase besonders gefallen?
Die langen Zugfahrten gehörten sicher dazu. Mir wurde schnell klar, dass ich einen guten Weg vor mir habe, da ich bereits eine Anstellung hatte. Dadurch fiel mir die Umschulung leichter. Der tägliche Umgang mit dem PC wurde schnell zur Routine. Auch der Austausch mit meinen Schulkameraden war sehr spannend. Wir waren eine Supergruppe, die sich gegenseitig immer unterstützt hat.
Gab es Momente des Zweifelns - und was hat dir geholfen, dranzubleiben?
Zweifel hatte ich während der Umschulung kaum. Ich konnte den Fortschritt deutlich sehen und spüren. Das Ziel war klar vor Augen - und der Weg dorthin wurde Schritt für Schritt greifbar.
Wie sieht dein Arbeitsalltag heute aus?
Ich bin in verschiedenen Arbeitsbereichen tätig. Zum einen betreue ich die Lernenden in unserem Betrieb sowie die "Schnupperlis". Ich führe Semestergespräche, koordiniere ÜK-Kurse, bestelle Material für ihre Modelle und unterstütze bei Fragen zu Schulaufgaben oder gebe Nachhilfe. Zudem bin ich an verschiedenen Projekten beteiligt, übernehme Zeichnungsarbeiten, kümmere mich um Bestellungen und erstelle Offerten.
Welche Fähigkeiten aus deinem früheren Beruf kannst du heute noch nutzen?
Da ich mich um die Lernenden kümmere, musste ich mich in einigen Bereichen selbst wieder einarbeiten. Zum Beispiel bei der Trichterschaltung, den Dachausmittlungen sowie beim Austragen von Grat und Kehle. Dank meiner Vorkenntnisse fand ich mich schnell zurecht und kann gut unterstützen. Auch in der Planung hilft mir meine langjährige Erfahrung.
Welche Botschaft würdest du Menschen geben, die sich ebenfalls beruflich neu orientieren müssen?
Gehe diesen Weg offen und positiv.
Wenn dein "altes Ich" als Zimmermann dich heute sehen könnte - was würde es sagen?
Das hast du sehr gut gemeistert und viel Ausdauer und Durchhaltevermögen gezeigt.
Was vermisst du manchmal noch von deinem früheren Beruf?
Auf der Baustelle zu arbeiten und das Endprodukt, an dem ich mitgearbeitet habe, zu sehen.
Ganz ehrlich: Gibt es auch Dinge, bei denen zu sagst "Zum Glück muss ich das nicht mehr machen!"
Manchmal würde ich gerne wieder auf die Baustelle zurück, doch ich sehe auch viele positive Seiten in meiner jetzigen Tätigkeit. Ich würde nicht mehr tauschen wollen.
Bist du jetzt eher der Planer oder manchmal doch noch der Macher?
Ich bin beides, da ich beides kann.
Gibt es etwas, das du durch diese Veränderung gewonnen hast, das du sonst nie entdeckt hättest?
Ich bin kommunikativer geworden und fühle mich am Computer mittlerweile richtig sicher. Fast schon ein kleiner Nerd.
Hat sich deine Sicht auf die Arbeit und Gesundheit verändert?
Gesund zu sein ist wichtig. Dank meiner jetzigen Arbeit kann ich auch privat weiter Dinge zusammenbauen. Alles selbst geplant und bestellt, mit Energie und Elan.
Und ganz zum Schluss: Wenn du deinem Weg einen Titel geben müsstest - wie würde er heissen?
Augen zu und durch.
Lieber Patrick, vielen Dank für dieses Interview. Wir wünschen dir und deinen Schulkameraden der Gruppe 33 alles Gute für die Zukunft.





